






Patienten-Info für werdende Mütter / Eltern
Schwangerschaftsdiabetes
In unserer Praxis wird auf Wunsch in den ersten Wochen der Schwangerschaft, sowie - bei unauffälligem Testergebnis- erneut in der 24. – 28. SSW bei jeder Schwangeren ein Suchtest zur rechtzeitigen Erkennung eines Schwangerschaftsdiabetes (= GDM), durchgeführt.
Was ist Schwangerschaftsdiabetes? (Gestationsdiabetes mellitus = GDM)
Nach den Richtlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft spricht man von Schwangerschaftsdiabetes, wenn während einer Schwangerschaft erstmals eine Zuckerstoffwechselstörung (Diabetes mellitus) auftritt oder diagnostiziert wird.
Da man erhöhte Blutzuckerwerte nicht spüren kann, ist eine Erkennung des Schwangerschaftsdiabetes nur durch Blutzuckermessungen möglich.
Ein erhöhter Blutzucker der Mutter kann zu einem verstärkten Wachstum des Kindes führen, ohne dass die Organe des Kindes entsprechend reifen. Die Folge sind oft erhebliche Probleme während und nach der Entbindung. So kann beispielsweise wegen der Größe des Kindes ein Kaiserschnitt notwendig werden.
Schwangere mit GDM haben im Vergleich zu Schwangeren mit normalem Blutzuckerstoffwechsel ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte, schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (Bluthochdruck) und Präeklampsie/Eklampsie. Nach Schwangerschaften mit GDM besteht ein Risiko von 50% für das erneute Auftreten einer Glukosetoleranz-Störung in der folgenden Schwangerschaft.
Frauen mit durchgemachtem GDM haben 10Jahre nach dieser Schwangerschaft noch ein Risiko von 40-50%, eine dauerhafte Zuckerkrankheit zu entwickeln!
Da ein nicht erkannter Schwangerschaftsdiabetes auch mit negativen Konsequenzen für die Entwicklung des Kindes im Mutterleib und insbesondere für sein späteres Leben verbunden ist (jugendlicher Diabetes / Insulinpflichtig), bieten wir in unserer Praxis generell allen Frauen in den ersten Wochen der Schwangerschaft einen Suchtest auf Schwangerschaftsdiabetes an.
Dazu wird Ihr Blutzucker 1 Stunde nach dem Trinken eines traubenzuckerhaltigen Getränks bestimmt (50g Traubenzucker in 200ml Wasser aufgelöst, innerhalb 5 min trinken). Sie brauchen nicht nüchtern in die Praxis zu kommen – die letzte Mahlzeit sollte Idealerweise ca. 1,5 - 2 Stunden zurückliegen.
Während dieser Mess-Stunde sollten Sie sich körperlich nicht betätigen und weder essen noch trinken noch rauchen.
Planen Sie daher bitte für diese Stunde keine Einkäufe oder Spaziergänge ein, sondern verbringen die Zeit in unserer Praxis.
Ihr Blutzucker sollte bei diesem Test nach 1 Std. unter 140mg/dl. liegen.
Werden 140mg/dl oder ein darüber liegender Wert gemessen, muss ein neuer Termin für einen speziellen Blutzucker-
Belastungstest (2 Std., 75g Glukose) vereinbart werden, über den wir Sie dann entsprechend informieren werden.
Wer neigt zu Schwangerschaftsdiabetes?
Jede Frau kann einen Schwangerschaftsdiabetes bekommen. Durchschnittlich jede 200. Schwangere ist betroffen.
Liegen Risikofaktoren vor, können bis zu 20% der schwangeren Frauen erkranken.
Folgende Frauen haben ein erhöhtes Risiko, an einem Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken:
Wie erfolgt die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes?
Wurde durch eine erneute Traubenzuckerbelastung mit dem „75g-Test“ ein Blutzuckerspiegel von über 160mg/dl nach 1 Std. / bzw. >155 mg/dl nach 2Std. festgestellt, liegt ein gestörter Zuckerstoffwechsel / bzw. Schwangerschaftsdiabetes vor. Es sollte zunächst eine diätetische Beratung in einer ambulanten Diabetes-Schwerpunkteinrichtung erfolgen.
Ziel ist es, trotz eines Schwangerschaftsdiabetes Blutzuckerwerte zu erreichen, die wie bei einer gesunden schwangeren Frau nüchtern zwischen 60 und 90mg/dl, und eine Stunde nach dem Essen nicht über 120mg/dl liegen.
Werden solche Werte erreicht, sind die Risiken für die Reifung des Kindes und die Entbindung mit denen bei der gesunden Schwangerschaft vergleichbar!
Mit 9 Monaten „gesunder Schwangerschaft“ können Sie die Gesundheit Ihres Kindes für sein ganzes Leben beeinflussen!
Reicht eine Ernährungsumstellung nicht aus, um die Blutzuckerwerte im Normbereich zu halten, dann ist meist eine Behandlung mit Insulin erforderlich. Eine Behandlung mit Tabletten ist nicht möglich. Körperliche Aktivität unterstützt die Normalisierung erhöhter Blutzuckerwerte durch direkten Energieverbrauch. Besonders beeignet sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen etc.
Wir werden Sie in der weiteren Schwangerschaft unterstützen.
Bitte scheuen Sie sich nicht, uns zu fragen.
Da die Zuckerstoffwechselstörung beim Schwangerschafts-Diabetes durch Schwangerschaftshormone, die vom Mutterkuchen (Placenta) gebildet werden, ausgelöst werden kann oder verschärft wird, verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes meist nach der Geburt. Jedoch besteht, wie gesagt, ein 50%iges Risiko für das erneute Auftreten eines GDM in der folgenden Schwangerschaft.
Das weitere Diabetes-Risiko sollte etwa 3 Monate nach der Entbindung bzw. nach der Stillzeit durch einen Belastungstest in einer internistischen Praxis überprüft werden.